Nicht dogmatisch, sondern bürgernah und pragmatisch“: Prof. Dr. Dr. h.c. Friedrich Klein mit Reinhold-Maier-Nadel ausgezeichnet
In Aalen wurde Prof. Dr. Dr. h.c. Friedrich Klein für sein jahrzehntelanges kommunalpolitisches Engagement mit der Reinhold‑Maier‑Nadel ausgezeichnet.
In Aalen wurde Prof. Dr. Dr. h.c. Friedrich Klein für sein jahrzehntelanges kommunalpolitisches Engagement mit der Reinhold‑Maier‑Nadel ausgezeichnet.
Die Laudatio hielt Dr. Hans-Ulrich Rülke MdL, Vorsitzender der FDP/DVP-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg. Grußworte sprachen Arian Kriesch, Stadtrat der Stadt Aalen sowie Kreisvorsitzender der FDP Ostalb, und Prof. Dr.-Ing. Iman Taha, die die Professur „Nachhaltige Werkstoffe in der Kunststofftechnik“ an der Hochschule Aalen innehat. Ute Oettinger-Griese begrüßte als Mitglied des Verwaltungsrates der Reinhold-Maier-Stiftung.
Mit der Reinhold-Maier-Nadel zeichnet die Reinhold-Maier-Stiftung Personen aus, die sich als Liberale insbesondere auf kommunaler Ebene engagiert haben und sich im Sinne Reinhold Maiers Verdienste um die “Graswurzeldemokratie” erworben haben.
Prof. Dr. Dr. h.c. Friedrich Klein studierte Metallphysik und Metallkunde an der Universität Saarbrücken. Seine Dissertation beendete er 1967 und war bis 1968 wissenschaftlicher Assistent. Klein war anschließend am Institut für Verformungskunde und Gießereiwesen der TU München tätig, wo er auch einen Lehrauftrag für das Fach Gießereikunde an der Fakultät für Maschinenbau und Elektrotechnik erhielt. Von 1973 bis 1975 war er Assistent des Gießereileiters in den BHS-Werken Weiherhammer, setzte aber parallel seine Vorlesungstätigkeit an der TU München fort. Von 1975 bis 2004 war Klein Hochschullehrer an der Fachhochschule Aalen und betreute das Fachgebiet Urformtechnik und Werkstoffkunde in Lehre und Forschung. An der Hochschule in Aalen baute er die Gießereilabors aus und führte viele Forschungsprojekte durch. Von 1977 - 1989 war er Prorektor der Hochschule Aalen. Verbunden mit der Lehrtätigkeit war die Übernahme der Geschäftsleitung der Arbeitsgemeinschaft Gießereitechnik. Die Universität Miskolc/Ungarn verlieh ihm eine Ehrendoktorwürde.
Seit 1968 ist Prof. Klein Mitglied der FDP. Er war Ortsvorsitzender in Gröbenzell sowie Mitglied im dortigen Gemeinderat und er kandidierte drei Mal für den Landtag. Er war Mitglied im Landesfachausschuss Forschung und Technologie und fünf Jahre lang Leiter des Landesfachausschusses sowie Mitglied im Bundesfachausschuss. Von 2004-2020 war er Mitglied im Gemeinderat Aalen und war fünf Jahre lang Kreisvorsitzender der FDP im Ostalbkreis.
Arian Kriesch betonte, dass Friedrich Klein Aalen „über die Jahre hinweg als Stadtrat, als engagierter Bürger und ganz besonders auch als Liberaler sehr geprägt“ habe und sprach ihm dafür seinen Respekt aus. Er ging in seinem Grußwort auf Kleins Herzensthemen, nämlich die
Begrünung der Stadt, bei der er über Fraktionsgrenzen hinweg immer wieder Mehrheiten organisiert habe, sowie die „Verkehrspolitik so zu gestalten, dass sie die Menschen schnell dorthin bringt, wo sie hinwollen, gleichzeitig die Innenstadt nicht abwürgt, sondern belebt – und die Stadt lebenswert macht. Du hast dich für ein kluges, durchschaubares Verkehrsleitsystem eingesetzt, für grüne Wellen, und gegen das „Erdrosseln“ von Verkehr als vermeintliche Lösung“, so Kriesch.
Prof. Dr.-Ing. Iman Taha ging in ihrem Grußwort auf die wissenschaftlichen Aktivitäten Kleins ein. Sie betonte: „Uns verbindet die wissenschaftliche Neugier, die Leidenschaft, einen Beitrag für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu leisten.“ Er sei seit seinem Studium der Metallkunde und Gießereitechnik treu geblieben – mit jahrzehntelanger Forschung, Lehre, Transfer und Publikationen.
Eindrücke von der Veranstaltung (Bildergalerie)
In seiner Laudatio ordnete Dr. Hans-Ulrich Rülke das Wirken des Preisträgers regional ein. Die Ostalb ist als Region „wirtschaftlich stark und leistet ihren Beitrag zum Erfolg Baden‑Württembergs – und das hat viel mit dem Thema Metall zu tun, dem Sie Ihr berufliches Leben gewidmet haben.“
In politischen Wirken Kleins hob Rülke Kleins Fähigkeit, aus einer kleinen Gruppe heraus Themen voranzubringen, pragmatische Lösungen zu finden und über Parteigrenzen Mehrheiten zu entwickeln hervor. Das, so Rülke, entspreche dem Geist Reinhold Maiers: nicht dogmatisch, sondern bürgernah und pragmatisch.
In seinen Dankesworten zeigte sich der Preisträger gerührt von der Auszeichnung: „Ich hatte nie mit einer solchen Ehrung gerechnet. Die vielen persönlichen Worte haben mich sehr berührt und an viele Engagements erinnert. In meinem Alter rechnet man eigentlich nicht mehr mit solchen Ehrungen – umso mehr freue ich mich.“
Er knüpfte an eine Rede von Reinhold Maier an, die er im Radio gehört habe. Ein Satz daraus sei ihm besonders im Kopf geblieben und er habe ihn auch bei seiner ersten Rede im Aalener Gemeinderat als Einstieg genutzt: „Mir wird von alledem so dumm, als ginge mir ein Mühlrad im Kopf herum.“
Über den Dank hinaus nutzte Klein die Bühne für einen inhaltlichen Appell: Er warnte vor der Verführungskraft überzogener KI‑Versprechen gegenüber Jugendlichen und plädierte für Bildung, Neugier sowie eine gesunde Fehlerkultur. Er schloss mit dem Vorschlag: „Wir brauchen eine Kampagne – über Parteien, gesellschaftliche Gruppen, Gewerkschaften, Kirchen hinweg – damit junge Leute bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, Ideen zu kreieren und Freude daran haben, Neues zu schaffen.“