Ein vielseitiger Brückenbauer - Reinhold-Maier-Nadel an Michael Obert verliehen
Mit der Verleihung der Reinhold-Maier-Nadel wurde am 16.Juli 2026 in Karlsruhe das langjährige kommunalpolitische und gesellschaftliche Engagement von Michael Obert gewürdigt.
Im Jakobus-Theater versammelten sich zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung, Kultur, Ehrenamt und Stadtgesellschaft, um einen Mann zu ehren, der Karlsruhe über Jahrzehnte hinweg auf vielfältige Weise geprägt hat – als Stadtrat, Fraktionsvorsitzender, Baubürgermeister, Vereinsmensch, Fastnachter und überzeugter Liberaler.
Bereits in der Begrüßung wurde deutlich, warum die Auszeichnung an Michael Obert geht. Prof. Dr. Jürgen Morlok, Mitglied des Verwaltungsrates der Reinhold-Maier-Stiftung, hob hervor, dass mit der Reinhold-Maier-Nadel Persönlichkeiten gewürdigt werden, die sich um Liberalismus, Bürgernähe und Graswurzeldemokratie verdient gemacht haben. Mit Blick auf Obert sagte er, dieser gehöre „zweifelsfrei zu dieser Art von Politiker“. Zugleich würdigte Morlok die besondere Vielseitigkeit des Geehrten, der mit großer Selbstverständlichkeit auf unterschiedlichen Bühnen wirke – in der Kommunalpolitik, im Theater und in der Fastnacht.
In ihrem Grußwort zeichnete die ehemalige Leiterin des Karlsruher Stadtplanungsamtes, Prof. Dr. Anke Karmann-Woessner ein eindrucksvolles Bild von Michael Obert als Stadtgestalter. Am Beispiel des Alten Schlachthofs, den Obert bereits als Kind auf seinem Schulweg erlebt hatte und dessen Entwicklung er später als Baubürgermeister maßgeblich mitverantwortete, machte sie deutlich, wie sehr sein Verständnis von Stadtentwicklung über das reine Bauen hinausging. Gute Stadtplanung, so ihre Würdigung, schaffe Heimat, Identität und Lebensqualität. In Oberts Amtszeit von 2008 bis 2018 fielen zahlreiche prägende Vorhaben – von der Entwicklung neuer Quartiere über Investitionen in Schulen und öffentliche Gebäude bis hin zu wichtigen Infrastrukturprojekten wie der Kombilösung.
Besonders hervorgehoben wurde sein strategischer und langfristiger Blick auf die Stadt. Mobilität, Grün- und Freiräume, Wohnen, öffentliche Gebäude und Konversionsflächen seien für Obert nie isolierte Aufgaben gewesen, sondern Teil einer umfassenden Verantwortung für die Zukunft Karlsruhes. Ein Satz aus seiner Amtszeit steht dafür bis heute exemplarisch: „Ein Auto stört auch, wenn es nicht fährt.“ Mit dieser pointierten Formulierung brachte Michael Obert auf den Punkt, dass moderne Stadtentwicklung unterschiedliche Nutzungsansprüche im öffentlichen Raum neu austarieren müsse. Karlsruhe profitiere bis heute von dieser Haltung – etwa beim Ausbau des Radverkehrs und bei der Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs.
Auch Prof. Dr. Matthias Reinschmidt, Direktor des Zoos Karlsruhe und Vorstandsvorsitzender der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe, würdigte Michael Obert als verlässlichen Wegbegleiter und Förderer. Als langjähriger Dezernent mit Verantwortung für zahlreiche Bereiche habe Obert es verstanden, unterschiedliche Ämter und Fachperspektiven nicht nebeneinander, sondern miteinander zu denken. Reinschmidt betonte, dass Obert Verantwortung nicht nur übertragen, sondern stets auch selbst vorgelebt habe. Besonders eng sei seine Verbindung zum Zoo Karlsruhe gewesen, den er mit großem Interesse und persönlichem Einsatz begleitet habe. Nicht ohne Grund sei er dort auch als „Zoobürgermeister“ bezeichnet worden. Hinzu komme sein Engagement als Vorsitzender des Stiftungsrats der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe sowie seine persönliche Unterstützung konkreter Artenschutzprojekte. Er hielt abschließend über Michael Obert fest „Er baut Brücken. Brücken zwischen Menschen, zwischen Institutionen, zwischen Haupt- und Ehrenamt, zwischen Sachlichkeit und Herzlichkeit und manchmal eben auch zwischen Politik und Fastnacht.“
Eindrücke von der Veranstaltung (Bildergalerie)
Die Laudatio von Ullrich Eidenmüller, ehemaliger Bürgermeister von Karlsruhe, stellte Michael Obert schließlich in einen größeren politischen und biografischen Zusammenhang. Er beschrieb ihn als einen „Graswurzeldemokraten“, dessen Lebensweg eng mit seiner Heimatstadt Karlsruhe verbunden sei. Obert, 1953 in der Karlsruher Oststadt geboren und bis heute dort verwurzelt, habe sich über Jahrzehnte hinweg in unterschiedlichsten Rollen für das Gemeinwesen eingesetzt – im Bürgerverein, in der Fastnacht, im Theater, im Sport und in der liberalen Kommunalpolitik. Eidenmüller würdigte dabei nicht nur Oberts politische Laufbahn, sondern auch seine tiefe gesellschaftliche Verankerung. Gerade diese Verbindung aus kommunalpolitischer Verantwortung, kulturellem Engagement und persönlicher Nahbarkeit mache ihn zu einer Persönlichkeit im Geiste Reinhold Maiers.
Dass Michael Obert nicht nur als politischer Gestalter, sondern auch als humorvoller und pointierter Beobachter des Stadtgeschehens wahrgenommen wird, zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Ob als Schauspieler im Jakobus-Theater, als prägende Figur der Karlsruher Fastnacht oder als feinsinniger Redner – immer wieder wurde deutlich, dass er Menschen zusammenbringen, Debatten zuspitzen und zugleich mit Leichtigkeit führen kann. Gerade diese Verbindung von Ernsthaftigkeit und Humor verlieh der Ehrung eine besondere Note.
In seiner Dankesrede zeigte sich Michael Obert sichtlich bewegt. Er dankte den Rednerinnen und Rednern sowie allen Gästen für die große Anerkennung. Mit Blick auf seine vielen Ämter und Aufgaben betonte er, dass ehrenamtliches Engagement in der Regel keine Last, sondern etwas sei, das man gern tue und nicht missen möchte. Besonders wichtig sei ihm in all den Jahren gewesen, Menschen und Themen zusammenzubringen. Rückblickend erinnerte er auch an die besondere Mischung, die sein Leben geprägt habe – mit einem typischen Bild aus seinem Tagebuch: „Vormittags mit Kinkel Prominenz gemacht, nachmittags Treppe geputzt.“ Gerade in dieser Bodenhaftung, die das Öffentliche nie vom Persönlichen trennt, wird ein Verständnis von Liberalismus sichtbar, das nah bei den Menschen bleibt.
Mit der Reinhold-Maier-Nadel zeichnet die Reinhold-Maier-Stiftung Personen aus, die sich als Liberale insbesondere auf kommunaler Ebene engagiert haben und sich im Sinne Reinhold Maiers Verdienste um die “Graswurzeldemokratie” erworben haben.
Mit Michael Obert wurde in Karlsruhe ein Mann geehrt, der dieses Erbe auf vielfältige Weise verkörpert: durch politische Verantwortung, gesellschaftliches Engagement, kulturelle Präsenz und eine lebenslange Verbundenheit mit seiner Stadt.
Die Feierstunde im Jakobus-Theater machte eindrucksvoll sichtbar, wie breit dieses Wirken anerkannt wird – und wie lebendig Graswurzeldemokratie bis heute sein kann.