Richtung, Haltung und Humor - eine prägende Gestalt des Liberalismus. Festsymposium zum 80. Geburtstag von Prof. Dr. Jürgen Morlok
v.l.n.r.: Dr. Hans-Ulrich Rülke MdL, Prof. Dr. Jürgen Morlok, Prof. Dr. Ludwig Theodor Heuss, Christoph Daniel Maier
Einen Ehrentag für einen besonders verdienten Liberalen aus dem deutschen Südwesten richteten die liberalen Stiftungen in Baden-Württemberg in Karlsruhe am 8. November aus: Mehr als 100 Gäste fanden sich ein, um dem früheren Spitzenmann und heutigen Ehrenvorsitzenden der Freien Demokraten in Baden-Württemberg sowie Ehrenvorsitzenden des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zu seinem 80. Geburtstag Anerkennung und Dankbarkeit in den festlichen Räumlichkeiten der IHK im Herzen Karlsruhes zu erweisen. Passend zu diesem Anlass richteten die liberalen Stiftungen dazu ein hochkarätig besetztes Symposium mit dem Titel „Tradition und Zukunft – Zur Zukunft der liberalen Demokratie“ aus.
In seiner einleitenden Begrüßung akzentuierte der Vorsitzende des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung, Prof. Dr. Ludwig Theodor Heuss den Jubilar und den Titel der Veranstaltung gleichermaßen. Er habe Morlok als „Mann des reflektierten Widerspruchs“ kennengelernt, so Heuss, der „Richtung, Haltung und Humor“ in sich vereine und in seinen Tätigkeiten bei den und für die Liberalen – ob als Mandatsträger oder in Spitzenfunktionen für die liberalen Stiftungen - einbringe. In seinen weiteren, sehr nachdenklichen Ausführungen widmete Heuss eine ausführliche Betrachtung dem Titel der Veranstaltung im Hinblick auf die derzeitige schwierige Situation für liberale Ideen und ihre politischen Umsetzungsmöglichkeiten. So seien Tradition und Zukunft nicht als Widersprüche zu verstehen, sondern bedingten sich im Einsatz für die Freiheit geradezu. Der Liberalismus stehe zwischen diesen beiden Polen in einer immer komplexeren und anspruchsvolleren Gegenwart, in der Strukturen und Gewissheiten zunehmend zerfielen. Dies sei für den Liberalismus jedoch als Chance und Aufruf zu verstehen, nicht im Kulturpessimismus zu verharren, sondern sich mit neuen Antworten aktuellen Herausforderungen zuzuwenden: “Es liegt darin eine Chance, den Sinn der Freiheit neu zu finden“, so Heuss zuversichtlich. Dabei gelte: „Freiheit braucht Maß, Vernunft braucht Vertrauen, Fortschritt braucht Gedächtnis“. Am Ende seiner Ausführungen erinnerte Heuss an den festlichen Anlass und widmete dem Jubilar einen zuversichtlichen Ausblick: „Vielleicht braucht unsere Demokratie etwas weniger Pathos und mehr Humor, es liegt schließlich in unserer Hand, es besser zu machen“. Die liberale Demokratie sei schließlich kein statisches Denkmal, sondern ein Versprechen für alle Menschen und ihre Zukunft.
In seiner Laudatio würdigte der Landes- und Fraktionsvorsitzende der Freien Demokraten, Dr. Hans-Ulrich Rülke, Morlok als überzeugten Liberalen, der schon früh in der Politik Verantwortung übernommen hatte. Morloks Lebensweg sei durch schwierige Zeiten auch für die Liberalen gegangen. Neben Studium, Promotion und beruflichem Einstieg als Volkswirt in die Wirtschaft trat Morlok Mitte der 60er Jahre in die FDP ein und zog in jungen Jahren in den Karlsruher Stadtrat ein. Bereits 1972 wurde er als Abgeordneter aus der badischen Residenzstadt in den Landtag gewählt und führte die liberale Fraktion in den Jahren 1976 bis 1984 durch politisch bewegte Zeiten. In der FDP bekleidete er Funktionen als Landesvorsitzender und stv. Bundesvorsitzender. „Er ist einer der prägendsten liberalen Gestalten im deutschen Südwesten“, betonte Rülke und erinnerte daran, dass Morlok gleichwohl seinen eigenen beruflichen Weg ab Mitte der 80er Jahre als erfolgreicher Mann der Wirtschaft weiter fortsetzte. Durchgehend engagierte er sich weiter für die liberale Sache bis heute, so Rülke anerkennend und erinnerte daran, dass Morlok nicht zuletzt 1977 Mitgründer der liberalen Reinhold-Maier-Stiftung als politischer Landesstiftung in Baden-Württemberg war und viele Jahre lang führende Ämter bei der bundes- und weltweit tätigen Friedrich-Naumann-Stiftung innehatte. All diese Verdienste hätten ihre Würdigung im Amt des Ehrenvorsitzenden gefunden, in dem Morlok nun schon seit fast 30 Jahre für die FDP in Baden-Württemberg wirke. „Er ist als solcher immer da, wenn er mit seinem Rat und seinem politischen Gewicht gebraucht wird“, so Rülke und gab seiner Hoffnung abschließend dankbar Ausdruck, noch lange auf ihn zählen zu können.
Eindrücke von der Veranstaltung (Bildergalerie)
Ein besonderes Format setzte einen weiteren Höhepunkt in der Tagesordnung, indem sich mit Christoph Daniel Maier und Ludwig Theodor Heuss die Nachkommen in der Enkelgeneration der beiden bedeutenden liberalen Staatsmänner aus dem deutschen Südwesten zu einem von der Landesjournalistin Bettina Wieselmann moderierten Gespräch fanden und zum augenblicklichen Zustand der freiheitlichen Demokratie austauschten. Diese sei, wie die Moderatorin befand, derzeit unter starkem Druck. Das unterstrich auch Heuss, nicht ohne jedoch ausdrücklich davor zu warnen, sich jetzt zurückzuziehen und nicht mehr aktiv an der Politik mitzuwirken. Maier, der an seinem Wohnort in der Schweiz auch für die dortige FDP kommunalpolitisch aktiv ist, setzte der Verzagtheit – ganz in der Tradition Reinhold Maiers – die „Graswurzeldemokratie“ entgegen, also das Bewusstsein, dass Demokratie vor Ort anfange und es besonders darauf ankäme (und schließlich auch lohne), dort etwas zu bewirken. Die immer schwierigere Findung gemeinsamer politischer Mehrheiten zur Lösung von Problemen wurde von Wieselmann thematisiert und diesen Bedenken schlossen sich auch ihre beiden Podiumsgäste an. Die Notwendigkeit von Kompromissen sei in Deutschland in Verruf geraten, konstatierten sie und riefen besonders die Liberalen dazu auf, Gemeinsamkeiten zu suchen und zu finden. Hauss mahnte die Liberalen zur Eintracht nach dem Vorbild des schon seit vielen Jahrzehnten erfolgreichen Freisinns in der Schweiz. „Man muss sich für die Freiheit einsetzen, sie muss den Menschen ein Bedürfnis sein, für diesen Erfolg muss man aber auch kämpfen“, so der Appell Maiers und dem schloss sich Heuss an und begründete, warum sich dieser Einsatz lohne: „Der Liberalismus will den Menschen schließlich groß machen.“
Textlich bestärkt und akustisch untermalt wurden die Programmpunkte der Veranstaltung durch vorgetragene Revolutions- und Freiheitslieder des Sängers und „Liedarchäologen“ Stephan Höning, was schließlich auch musikalisch zu den Schlussworten Prof. Dr. Jürgen Morloks geleitete.
Er dankte den Rednern und der Moderatorin ausführlich und ergriff die Gelegenheit, um für „seine“ liberale Sache mit entschiedenen Worten Partei zu ergreifen, nicht ohne zuvor noch an frühere existenzielle Zeiten für die Liberalen in Deutschland im Laufe seiner politischen Laufbahn zu erinnern. Denn der Liberalismus verspreche eben die Freiheit, aber bringe auch die Last, damit umzugehen. Der Einsatz für die Freiheit lege als Grundlage Wert auf eine logische Erkenntnis: „Wer Zukunft gestalten will, der muss eine Idee umsetzen, die so simpel wie kernliberal ist: Es muss nicht zuerst gerechter verteilt werden, sondern mehr geschaffen werden“, so Morlok. Gleichzeitig warnte auch er ausdrücklich davor, sich heute angesichts von Wahlniederlagen in der FDP als liberaler Partei in Richtungsdiskussionen zu ergehen, denn: „was uns Liberale für immer verbindet, ist das umfassende Verständnis von Liberalismus als der Freiheitsidee, die alle Politikbereiche durchdringt“.