„Nicht über Politik meckern, sondern sie selber machen.“ – Helmut Kurtz erhält Reinhold-Maier-Nadel
Für sein kommunalpolitisches Engagement wurde Helmut Kurtz in Böblingen mit der Reinhold-Maier-Nadel ausgezeichnet.
In Böblingen wurde Helmut Kurtz für sein jahrzehntelanges kommunalpolitisches Engagement mit der Reinhold‑Maier‑Nadel ausgezeichnet.
Die Laudatio hielt Dr. Florian Toncar MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen. Grußworte sprachen Dr. Stefan Belz, Oberbürgermeister der Stadt Böblingen, sowie die SPD-Altstadträtin Ursula Kupke. Julia Goll MdL begrüßte als Mitglied des Verwaltungsrates der Reinhold-Maier-Stiftung.
Mit der Reinhold-Maier-Nadel zeichnet die Reinhold-Maier-Stiftung Personen aus, die sich als Liberale insbesondere auf kommunaler Ebene engagiert haben und sich im Sinne Reinhold Maiers Verdienste um die “Graswurzeldemokratie” erworben haben.
Helmut Kurtz wurde 1943 in der Schäferlaufstadt Markgröningen geboren. Erste Sympathien für die FDP entwickelten sich als Abiturient durch einen Schulbesuch von Karl Moersch, Ludwigsburger FDP-Bundestagsabgeordneter. Aber erst nach der Gründung einer Familie (3 Kinder) und der beruflichen Fortentwicklung als Gymnasiallehrer, begann sein Einmischen in die Politik „vor der Haustüre“ in Form einer Straßeninitiative für Tempo 30 sowie der Mitbegründung einer überparteilichen kommunalpolitischen Vereinigung. 1987 war er Sprecher der Bürgerbeteiligung „Landesgartenschau in Böblingen“ und 1989 wurde er in den Böblinger Gemeinderat gewählt, dem er ununterbrochen bis zu seinem selbst gewählten Rückzug im Jahre 2020 als Gruppen- bzw. Fraktionsvorsitzender angehörte. In dieser Zeit war er im Gemeinderat sowie in seinen Ausschüssen und Aufsichtsräten Fürsprecher und Impulsgeber für viele kommunale Projekte. Zwischenzeitlich engagierte er sich auch im Kreistag und nebenbei im Ehrenamt 12 Jahre lang als Schöffe und sieben Jahre lang als stellvertretender Vorsitzender der Sportvereinigung Böblingen.
Julia Goll MdL betonte in ihrer Begrüßung, wie Helmut Kurtz in seinen Haushaltsreden „ den Blick auf Böblingen im Lichte des Welt‑, Bundes‑ und Landesgeschehens eingeordnet habe – ganz in der Tradition Reinhold Maiers.“
Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz führte in seinem Grußwort Helmut Kurtz‘ Leitspruch „Nicht über Politik meckern, sondern sie selber machen“ an. Beruflich sei es Kurtz als Lehrer und Studiendirektor besonders wichtig gewesen, „dass Schülerinnen und Schüler frei, aktiv und eigenständig verantwortungsvoll ihr Leben gestalten“, so Belz, und betonte: „Du wolltest zur eigenen Meinung erziehen, nicht Parteimeinungen aufdrücken.“
Politisch sei Kurtz „ist ein Mann der Mitte, Extremen abgeneigt, zugleich weitsichtig und visionär.“ Sein Wirken sei bis heute spürbar, führte Belz aus, und nannte dabei unter anderen Stichworte wie das Stadtleitbild, Stadtplanung, Wirtschaftsförderung, Belebung der Innenstadt, Schlossberg und Marktplatz, die Entwicklung des Flugfelds als interkommunales Stadtquartier mit Sindelfingen – aber auch direkt vor der Haustür im Stadtteil.
Schweren haushalterischen Entscheidungen sei Kurtz nie ausgewichen. Er schloss mit den Worten „Die „Ära Kurtz“ war vieles – aber „kurz“ ohne T war sie bestimmt nicht“ und dankte dem Preisträger für dessen eindrucksvolle Leistungen und Verdienste.
Ursula Kupke erinnerte sich in ihrem Grußwort daran, wie sie zeitgleich mit Helmut Kurtz in die Kommunalpolitik eingestiegen ist. Sie unterstrich Kurtz‘ Engagements im Bürgerforum und die Rolle des Austauschs über Fraktionsgrenzen hinweg.
Eindrücke von der Veranstaltung (Bildergalerie)
In seiner Laudatio betonte Dr. Florian Toncar, dass er „nicht nur als Parlamentarischer Staatssekretär aus Berlin oder als Parteifreund, sondern auch als ehemaliger Schüler von Helmut Kurtz“ spreche.
Wolle er Kurtz charakterisieren, so komme er „immer wieder auf den Sport: Nicht die Amtszeit an sich wird gewürdigt, sondern ein Werteverständnis. Du strahlst Beweglichkeit, Dynamik und Tempo aus – und warst im Gemeinderat Impuls‑ und Taktgeber, hast dich in neue Themen eingearbeitet.“ Dabei zeichne Kurtz aus, dass dieser leidenschaftlich debattieren könne: „man merkte, wenn dir ein Thema wichtig war, ohne persönlich zu werden. Du hattest Mut zu riskanten Vorschlägen. Du hast etwa lange die Idee „Eine Stadt Böblingen‑Sindelfingen“ vorangetrieben – trotz Gegenwind. Kennzeichnend ist auch deine Toleranz: Freude an der anderen Meinung, Offenheit, Differenzierung. Das ist heute selten geworden und würde unserer Gesellschaft guttun“, so Toncar weiter.
Im Umgang mit Menschen sei der Preisträger immer „bürgernah, offen, zuhörend, gut erklärend gewesen“. Besonders wichtig sei es ihm stets gewesen, junge Menschen zu gewinnen und aufzubauen. Besonders ausgezeichnet habe Kurtz dabei, dass dieser zwar gewusst habe, wie es geht, „aber du hast die Jüngeren auch machen lassen.“
Kurtz habe stets einen guten Riecher für Themen gehabt, was sicher einer der Gründe sei, warum dieser 30 Jahre lang immer wieder in den Gemeinderat gewählt wurde.
In seinen Dankesworten betonte Helmut Kurtz, Kommunalpolitik habe ihm „31 Jahre lang vorwiegend Spaß gemacht– vor allem deshalb, weil man mit Engagement in der Kommunalpolitik die Lebensumstände im eigenen Umfeld verbessern kann.“
Er habe schnell erkannt, dass „ Politik an der Basis – die Graswurzeldemokratie nach Reinhold Maier“, nur dann gelinge, „wenn man überparteilich Mehrheiten organisiert und nicht auf persönliche Selbstdarstellung setzt.“