„Liberalismus braucht Klugheit“ - Prof. Dr. Karen Horn mit der Reinhold-Maier-Medaille ausgezeichnet
Die Ökonomin und Publizistin Prof. Dr. Karen Horn wurde in Stuttgart mit der Reinhold-Maier-Medaille ausgezeichnet. Im Bild v.l.n.r.: Dr. Hans-Ulrich Rülke MdL, Judith Skudelny, Prof. Dr. Karen Horn, Isabel Fezer
Die Ökonomin und Publizistin Prof. Dr. Karen Horn wurde am Samstag, den 15. November 2025 in Stuttgart von der Reinhold-Maier-Stiftung Baden-Württemberg mit der Reinhold-Maier-Medaille ausgezeichnet.
Mit der Reinhold-Maier-Medaille werden Persönlichkeiten geehrt, die sich in besonderer Weise um den Liberalismus und den Wert der Freiheit verdient gemacht haben. Die Auszeichnung wird im jährlichen Wechsel von der Reinhold-Maier-Stiftung, der FDP/DVP-Landtagsfraktion und der FDP Baden-Württemberg verliehen. Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern zählen unter anderem Hans-Dietrich Genscher, Lord Ralf Dahrendorf, Helen Zille, die Neue Zürcher Zeitung, Margrethe Vestager, Hans Peter Stihl und Seyran Ateş.
In ihrer Laudatio würdigte Isabel Fezer, Bürgermeisterin für Jugend und Bildung der Landeshauptstadt Stuttgart und Vorsitzende der Reinhold-Maier-Stiftung, das vielseitige Wirken der Geehrten. Prof. Dr. Karen Horn stelle „in ihrem vielfältigen Wirken als Wissenschaftlerin und Hochschullehrerin, als Publizistin, Journalistin und gefragte Rednerin immer den Wert der Freiheit ins Zentrum“ und zeige „seine fundamentale Bedeutung und seine Gefährdungen“ auf. Die Auszeichnung sei auch „ein Bekenntnis dazu, wie wichtig freiheitliches Denken ist, wie wichtig es ist, Kritik und Meinungsfreiheit gerade im wissenschaftlichen Diskurs, in der politischen Debatte und der öffentlichen Auseinandersetzung zuzulassen und kluge Argumente im Sinne der Sache auszutauschen. Dafür steht Karen Horn in ganz besonderem Maße.“
Fezer hob hervor, Horns Arbeit reiche über tagespolitische Diagnosen hinaus: Sie verbinde wirtschaftspolitische Analysen mit grundlegenden Struktur- und Wertfragen und bringe ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse aktiv in die gesellschaftliche Debatte ein. In Journalismus und Publizistik, in Forschung und Lehre sowie in akademischen und politischen Netzwerken mache sie ökonomisches Denken verständlich, kritisch und orientierend einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Mit analytischer Tiefe, klarer Sprache und gesellschaftlichem Weitblick trage sie dazu bei, das Bewusstsein für die Grundprinzipien einer funktionierenden Marktwirtschaft und einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung wachzuhalten.
Freiheit, so Fezer weiter, sei für Horn kein Schlagwort, Marktwirtschaft kein reiner Wachstumsmotor und Verantwortung kein moralisches Beiwerk, sondern Voraussetzung für eine offene Gesellschaft. Als Vordenkerin für mehr Liberalität in Wirtschaft und Gesellschaft setze sie wichtige Impulse und leiste einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung des Liberalismus als Idee.
Eindrücke von der Veranstaltung
Prof. Dr. Karen Horn zeigte sich geehrt von der Auszeichnung. Sie fühle sich „gesehen“, sagte die Preisträgerin und betonte: „Eigentlich habe ich immer nur das gemacht, was ich gerne mache: viele kluge Dinge lesen, versuchen, darüber zu sprechen, mit anderen zu vermitteln und dann auch mal etwas aufzuschreiben. Offensichtlich hat das ein Publikum gefunden, und das freut mich sehr.“
Zugleich warnte Horn: „Die liberale Demokratie ist gefährdet – außen durch feindliche Diktaturen, allen voran Russland, innen durch den Verlust an Substanz. In Amerika, der Mutter liberaler Demokratien, entwickelt sich ein willkürliches Regime. In Europa sind rechtspopulistische Kräfte im Aufwind, gestützt durch hybride Angriffe aus dem Ausland. Die AfD überwindet in manchen Umfragen die Union. Wie hält man diese Entwicklung auf, ohne dass die liberale Demokratie sich selbst verliert? Ohne dass sie die Freiheit der Menschen immer weiter einschränkt? Das ist das grundsätzliche Dilemma des Liberalismus: er schließt kategorisch aus, seine Ziele mit Macht oder Zwang durchzusetzen. Das macht Dinge unbequem. Und es ist eine Zumutung – für Bürger, die unzufrieden sind und sich einen „starken Mann“ wünschen, und für liberale Puristen, die die Freiheit radikal denken.“
„Liberalismus braucht Klugheit […] und muss darauf hoffen, dass sich irgendwann das bessere Argument durchsetzt.“, so Horn weiter. Konkret bedeute dies, die Regierung konstruktiv zu kritisieren, wo sie unklug handele, und dem politischen Gegner zu widersprechen – zugleich gelte es jedoch, die Legitimität des Staates nicht zu unterminieren. Freiheit sei das höchste Gut; gerade in herausfordernden Zeiten müsse man für sie eintreten und „dem politischen Gegner zu widersprechen, wo es nötig ist“.
Die Begrüßung der Gäste übernahm Judith Skudelny, Generalsekretärin der FDP Baden-Württemberg. Das Schlusswort sprach Dr. Hans-Ulrich Rülke MdL, Vorsitzender der FDP/DVP-Landtagsfraktion.
Über die Preisträgerin: Karen Horn, geboren 1966 in Genf, studierte Volkswirtschaftslehre in Saarbrücken und Bordeaux und promovierte anschließend in Lausanne. Ihr besonderes Interesse gilt der grundlegenden Frage, wie eine Wirtschaftsordnung gestaltet sein muss, um – in den Worten Walter Euckens – „menschenwürdig und funktionsfähig“ zu sein. Diese Frage, die das Denken des Liberalismus in Wirtschaft, Philosophie, Politik und Geschichte verbindet, prägt ihr wissenschaftliches Werk bis heute.
Als Professorin für ökonomische Ideengeschichte an der Universität Erfurt widmet sich Prof. Horn den Denkern und Denktraditionen des Liberalismus – von der schottischen Aufklärung über die österreichische Schule bis hin zum Ordoliberalismus. In ihren jüngsten Arbeiten setzt sie sich zudem mit den Herausforderungen des Populismus und der Wiederkehr autoritärer Tendenzen auseinander.
Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit engagiert sich Karen Horn in zahlreichen Gremien und Institutionen. Sie ist Chefredakteurin des Journals „Perspektiven der Wirtschaftspolitik“, Ko-Vorsitzende und Koordinatorin des interdisziplinären akademischen Netzwerks NOUS, Vorstandsmitglied und operative Geschäftsführerin der Herbert Giersch Stiftung sowie stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft. Darüber hinaus wirkt sie als stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende des Walter Eucken Instituts, Mitglied des Beirats des Zentrums Liberale Moderne und der Programmkommission von Avenir Suisse.
Zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn war Karen Horn zwölf Jahre als Wirtschaftsredakteurin bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung tätig.