"Ein bodenständiger Macher, ein Ehrenamtler, der Ehrenamt wirklich als Ehre begreift und der Ergebnisse über Worte stellt" - Verleihung der Reinhold‑Maier‑Nadel an Ulrich Fehrlen

Von
Melanie Kögler
Die beiden langjährigen Stadträten Jürgen und Roland Erndle aus Donaueschingen wurden für ihr kommunalpolitisches Engagement mit der Reinhold-Maier-Nadel ausgezeichnet. Im Bild von links nach rechts: Niko Reith MdL, Roland Erndle, Jürgen Erndle

In Esslingen wurde Ulrich Fehrlen für sein jahrzehntelanges Engagement in Kommunalpolitik Sport und Gesellschaft mit der Reinhold‑Maier‑Nadel ausgezeichnet. Auf dem Foto v.l.n.r.: Dennis Birnstock MdL, Ulrich Fehrlen, Isabel Fezer

In Esslingen wurde Ulrich Fehrlen für sein jahrzehntelanges Engagement in Kommunalpolitik Sport und Gesellschaft mit der ReinholdMaierNadel ausgezeichnet.

Die Laudatio hielt Dennis Birnstock MdL, Sprecher für Jugendpolitik, frühkindliche Bildung,

Forschung und Sport der FDP/DVP-Landtagsfraktion sowie Vorsitzender des FDP

Kreisverbands Esslingen. Grußworte sprachen die Stadträtinnen Rena Farquhar, Fraktionsvorsitzende der FDP im Gemeinderat Esslingen, und Dr. Annette Silberhorn-Hemminger, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Esslingen am Neckar, sowie Margot Kemmler, Präsidentin des Sportkreises Esslingen. Isabel Fezer, Bürgermeisterin für Jugend und Bildung der Landeshauptstadt Stuttgart und Vorsitzende der Reinhold-Maier-Stiftung, begrüßte im Namen der Stiftung.

Mit der Reinhold-Maier-Nadel zeichnet die Reinhold-Maier-Stiftung Personen aus, die sich als Liberale insbesondere auf kommunaler Ebene engagiert haben und sich im Sinne Reinhold Maiers Verdienste um die “Graswurzeldemokratie” erworben haben.

Ulrich Fehrlen, geboren 1947, war nach Abitur, Wehrdienst und Studium bis 2013 in der Öffentlichen Verwaltung beschäftigt. Seit 1972 ist er FDP-Mitglied. Er war von 1994 – 2024 Stadtrat in Esslingen und ist seit 2009 Kreisrat sowie Vorsitzender der dortigen FDP-Fraktion. Von 1998 bis 2023 war er Vorsitzender des FDP Kreisverbands Esslingen, von 2004 bis 2008 Vorsitzender des Ortsverbands Esslingen. Er kandidierte im Wahlkreis Esslingen 1996 und 2001 für den Landtag sowie 1998 für den Bundestag und war Delegierter für Landes- und Bundesparteitage sowie Mitglied im Bundes- und Landesfachausschuss Sport. 

Auch über die Politik hinaus engagiert er sich ehrenamtlich, v.a. im Sport seit 1966. Bei der Turnerschaft Esslingen war er Jugendtrainer und Handballabteilungsleiter, seit 1976 ist er im Vereinsvorstand, seit 1991 Vorsitzender. Von 1977 bis 2015 war er Schiedsrichter. Von 1979 bis 2024 arbeitete er im Handball-Bezirk- und Verband Württemberg in verschiedenen Funktionen mit. Seit 1976 ist er Vorstandsmitglied im Sportverband Esslingen, seit 1997 Vorsitzender. Von 1969 bis 2012 war er Reservist der Bundeswehr und erreichte den Dienstgrad eines Oberst der Reserve. Für sein Engagement wurde er 1990 mit der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg, 2001 mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold sowie 2021 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

 

Die Stadträtin Rena Farquhar, Fraktionsvorsitzende der FDP im Gemeinderat Esslingen versah ihr Grußwort mit persönlichen Worten „Du bist für mich kein Parteifreund – du bist ein echter Freund.“ Sie hob hervor, was viele an ihm schätzen: „Wenn Uli etwas sagt, dann meint er das auch so – gerade heraus, ohne Floskeln, ohne Show, aber immer mit Haltung.“ Faquhar bezeichnete Fehrlen als „Kopf und Gesicht des Sports hier in Esslingen. Doch im Herzen bist du natürlich nicht nur Sportler, du bist vor allem ein richtiger Liberaler: freiheitsliebend, unabhängig, direkt. Einschränkungen und Bevormundungen sind dir zuwider. Du hast im Gemeinderat und im Kreistag immer für Pointen, für Klarheit gesorgt – das ist das Wichtige – mit einer ganz besonderen Kunst, Dinge ganz präzise auf den Punkt zu bringen.“ Sie bezeichnete den Preisträger als „bodenständigen Macher“, als einen „Ehrenamtler, der Ehrenamt wirklich als Ehre begreift und der Ergebnisse über Worte stellt“.

Auch über Parteigrenzen hinweg wird Ulrich Fehrlen geschätzt, wie Dr. Annette Silberhorn-Hemminger von den Freien Wählern deutlich machte. Sie habe Fehrlen in der langjährigen Zusammenarbeit stets „als engagierten Gemeinderat, der sich für seine Ideale einsetzt, der weiß, wann er einen Punkt platzieren sollte und wann es sich nicht lohnt, in einen politischen Streit einzusteigen“ wahrgenommen.

Margot Kemmler, Präsidentin des Sportkreises Esslingen, betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung Ulrich Fehrlens für den Sport: „Dein Fokus lag immer auf dem Relevanten, dem Machbaren, auf dem Menschen und dem Miteinander. Du hast dafür gesorgt, dass Infrastruktur und Gelder vorhanden waren. Sport soll Menschen zusammenbringen – generationen und kulturübergreifend – und das hast du immer gefördert.“

Der Landtagsabgeordnete Dennis Birnstock zeichnete in seiner Laudatio wichtige Stationen im Leben von Ulrich Fehrlen nach. Er machte deutlich, dass der Zeitaufwand, den Fehrlen über die Jahrzehnte dem Sport gewidmet hat, nicht selbstverständlich ist: „unzählige Stunden in Hallen, auf Feldern, in Vereinsräumen – Stunden, die andere im Kino oder mit der Familie verbringen. Für Uli war es selbstverständlich, sie dem Ehrenamt zu schenken.“

In der Politik habe es Fehrlen ebenfalls geschafft, „Respekt zu erlangen – nicht durch Lautstärke, sondern durch Sachlichkeit und die Fähigkeit, Brücken zu bauen.“ Vor allem Fehrlens Verlässlichkeit zeichne diesen aus, so Birnstock weiter: „Demokratie lebt vom beständigen Ehrenamt, vom Einsatz derjenigen, die fragen, was sie beitragen können.“

In seinen Dankesworten rekapitulierte Ulrich Fehrlen sein ehrenamtliches Engagement: „Ich habe nie „hier“ gerufen – ich war eher leichtsinnig und sagte nicht Nein. Aber es hat mich nie gestört. Ich habe es durchgezogen. Durchhaltefähigkeit ist ein wesentliches Prinzip.“

Seine Familie, so betonte er, sei stets Rückhalt und Kompass gewesen. Mit einem Schmunzeln erinnerte er sich an einen Satz seiner Frau nach 40 Jahren Ehe: „Eigentlich sind wir nur 20 Jahre verheiratet – die andere Zeit war er nicht zu Hause.“

 

Der Abend machte deutlich: Die Auszeichnung würdigt nicht nur ein beeindruckendes Lebenswerk, sondern auch eine Persönlichkeit, die für Zusammenhalt, Fairness und liberale Grundwerte steht.